der untersuchten Erwerbstätigen
erfüllten in einer WHO-Auswertung aus zehn Ländern schätzungsweise die damaligen Kriterien einer ADHS im Erwachsenenalter. Untersucht wurden Erwerbstätige zwischen 18 und 44 Jahren.
ADHS kann die Arbeitsfähigkeit erwachsener Beschäftigter auf mehreren Ebenen beeinflussen: durch Schwierigkeiten im Arbeitsalltag, einen hohen Kraftaufwand für Kompensation und zusätzliche psychische Belastungen. Für Unternehmen bleibt dieser Zusammenhang häufig unsichtbar, solange Betroffene ihre Schwierigkeiten nach außen erfolgreich ausgleichen.
Die folgenden Ergebnisse stammen aus internationalen Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge auf, beweisen aber nicht, dass ADHS jeden einzelnen Ausfall verursacht.
erfüllten in einer WHO-Auswertung aus zehn Ländern schätzungsweise die damaligen Kriterien einer ADHS im Erwachsenenalter. Untersucht wurden Erwerbstätige zwischen 18 und 44 Jahren.
waren in derselben Auswertung statistisch mit ADHS verbunden. Hinzu kamen deutlich mehr Tage mit verringerter Arbeitsmenge oder Arbeitsqualität. Das sind Gruppenwerte, keine Prognose für einzelne Menschen.
zeigte eine schwedische Registerstudie bei jungen Erwachsenen mit diagnostizierter ADHS gegenüber einer vergleichbaren Kontrollgruppe. Als lange Fehlzeit galten mehr als 90 Tage.
Eine repräsentative deutsche Bevölkerungsstudie schätzte die aktuelle ADHS-Prävalenz bei Erwachsenen von 18 bis 64 Jahren auf 4,7 %. In bundesweiten Abrechnungsdaten lag die dokumentierte Diagnoseprävalenz bei Erwachsenen 2023 dagegen bei 0,6 %. Da beide Ansätze Unterschiedliches messen, lassen sich die Werte nicht direkt gegeneinander verrechnen. Die große Differenz stützt jedoch die Annahme, dass ADHS bei vielen Erwachsenen unerkannt bleibt.
Hinzu kommt ein Generationeneffekt: Die heute 45- bis 50-Jährigen waren bereits erwachsen, als 2003 die erste deutsche Leitlinie speziell zur ADHS im Erwachsenenalter erschien. In ihrer Kindheit wurde ADHS noch überwiegend als Störung des Kindes- und Jugendalters verstanden, die sich mit dem Erwachsenwerden verliere. Betroffene dieser Generation konnten deshalb in der damaligen Diagnostik leicht übersehen werden – besonders dann, wenn sie ihre Schwierigkeiten kompensierten oder keine ausgeprägte äußere Hyperaktivität zeigten.
Auch die übrigen Zahlen lassen sich nicht unmittelbar auf ein bestimmtes deutsches Unternehmen übertragen. Alter, Branche, Arbeitsbedingungen, Begleiterkrankungen, Versorgung und Studiendesign beeinflussen die Ergebnisse.
ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung. Im Erwachsenenalter kann sie sehr unterschiedlich aussehen; nicht jedes Merkmal trifft auf jede Person zu. Für eine fachliche Einordnung zählen unter anderem die Entwicklung seit Kindheit oder Jugend, Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen und mögliche andere Erklärungen.
Monotone Aufgaben, häufige Unterbrechungen und viele parallele Informationen können das Konzentrieren erschweren. Arbeitsgedächtnis und zuverlässiges Erinnern können zusätzlich belastet sein.
Beginnen, strukturieren, Zeit einschätzen und Aufgaben abschließen können unverhältnismäßig viel Energie verlangen. Sichtbar wird mitunter erst das Ergebnis – nicht der Aufwand dahinter.
Bei Erwachsenen zeigt sich Hyperaktivität nicht immer äußerlich. Möglich sind innere Getriebenheit, ständiges Nebenher-Tun, vorschnelle Reaktionen oder Schwierigkeiten, Gesprächsimpulse zurückzuhalten.
Viele Erwachsene entwickeln eigene Strategien: feste Routinen, Listen und Erinnerungen, übergenaue Vorbereitung, Arbeiten unter hohem Zeitdruck oder das konsequente Vermeiden besonders schwieriger Situationen. Solche Strategien können sehr wirksam sein und beruflichen Erfolg ermöglichen.
Sie können zugleich viel zusätzliche Kraft kosten. Außenstehende sehen dann eine funktionierende Person, während Konzentration, Organisation und Selbststeuerung im Hintergrund dauerhaft mehr Energie beanspruchen. Das kann erklären, warum ADHS erst spät erkannt wird.
Erlernte Routinen und Ausgleichsstrategien funktionieren häufig nur unter bestimmten Bedingungen. Steigen Anforderungen gleichzeitig an oder fallen vertraute Strukturen weg, kann der bisher tragfähige Ausgleich plötzlich nicht mehr genügen.
Dann können Überforderung, Fehler, Aufschieben, Schlafprobleme, emotionale Anspannung oder Fehlzeiten deutlich zunehmen. Das bedeutet nicht, dass ADHS plötzlich entstanden ist. Vielmehr können schon länger bestehende Schwierigkeiten sichtbar werden, weil die bisherige Kompensation nicht mehr ausreicht.
Bei Erwachsenen mit ADHS treten andere psychische oder neuroentwicklungsbezogene Erkrankungen häufiger auf als bei Erwachsenen ohne ADHS. Besonders häufig beschrieben werden depressive und Angststörungen sowie Substanzkonsumstörungen. Auch Schlafstörungen, Essstörungen und spezifische Lernstörungen können gleichzeitig bestehen.
Wichtig: „Komorbid“ bedeutet zunächst nur, dass Erkrankungen gleichzeitig vorkommen. Daraus folgt nicht automatisch, dass ADHS die andere Erkrankung verursacht hat. Umgekehrt dürfen Konzentrationsprobleme bei Depression, Angst, Schlafmangel oder anderen Erkrankungen nicht vorschnell als ADHS eingeordnet werden.
Die ADHS-Aktion verbindet – idealerweise im Rahmen eines Gesundheitstags – einen niedrigschwelligen Zugang mit einer verständlich eingeordneten Selbsteinschätzung zu möglichen ADHS-bezogenen Schwierigkeiten.
Nach Abschluss der Aktion erhält das Unternehmen einen anonym zusammengefassten Bericht über die Nutzung und die freiwillig beigetragenen Orientierungsergebnisse.
Die Forschung zu konkreten betrieblichen Maßnahmen ist bislang begrenzt. Die dargestellten Studien beschreiben Gruppenunterschiede und erlauben keine Aussage über einzelne Beschäftigte oder die Ursache konkreter Fehlzeiten. Die Beispiele zu möglichen Kipppunkten beschreiben plausible und berichtete Belastungskonstellationen, keine zwangsläufige Entwicklung.