ADHS im Arbeitsleben

Ein möglicher, oft übersehener Treiber von Fehlzeiten

ADHS kann die Arbeitsfähigkeit erwachsener Beschäftigter auf mehreren Ebenen beeinflussen: durch krankheitsbedingte Abwesenheit, durch Schwierigkeiten im Arbeitsalltag und durch zusätzliche psychische Belastungen. Für Unternehmen bleibt dieser Zusammenhang häufig unsichtbar.

Was Untersuchungen zeigen

ADHS kann mit Arbeitsausfällen und eingeschränkter Leistungsfähigkeit verbunden sein

Die folgenden Ergebnisse stammen aus internationalen Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge auf, beweisen aber nicht, dass ADHS jeden einzelnen Ausfall verursacht.

3,5 %

der untersuchten Erwerbstätigen

erfüllten in einer WHO-Auswertung aus zehn Ländern schätzungsweise die damaligen Kriterien einer ADHS im Erwachsenenalter. Untersucht wurden Erwerbstätige zwischen 18 und 44 Jahren.

8,4 Tage

zusätzliche Abwesenheit pro Jahr

waren in derselben Auswertung statistisch mit ADHS verbunden. Hinzu kamen deutlich mehr Tage mit verringerter Arbeitsmenge oder Arbeitsqualität. Das sind Gruppenwerte, keine Prognose für einzelne Menschen.

2,7-fach

höheres Risiko langer Fehlzeiten

zeigte eine schwedische Registerstudie bei jungen Erwachsenen mit diagnostizierter ADHS gegenüber einer vergleichbaren Kontrollgruppe. Als lange Fehlzeit galten mehr als 90 Tage.

Wichtig für die Einordnung

Diese Zahlen lassen sich nicht unmittelbar auf ein bestimmtes deutsches Unternehmen übertragen. Alter, Branche, Arbeitsbedingungen, Begleiterkrankungen, Versorgung und Studiendesign beeinflussen die Ergebnisse.

Warum der Zusammenhang leicht übersehen wird

In Fehlzeitenstatistiken bleibt ADHS häufig unsichtbar

ADHS kann sich im Beruf unter anderem durch Schwierigkeiten beim Priorisieren, Strukturieren, Beginnen oder Abschließen von Aufgaben zeigen. Häufige Unterbrechungen, wechselnde Anforderungen und hoher Zeitdruck können diese Belastung verstärken.

Fehlzeiten zeigen zunächst nur, dass jemand nicht arbeitet – nicht, welche Zusammenhänge dahinterstehen. Bei manchen Betroffenen können zusätzlich Schlafprobleme, Ängste, Depressionen, Erschöpfung oder Substanzprobleme auftreten. ADHS kann dabei als möglicher Hintergrund unerkannt bleiben.

Was Unternehmen sinnvoll tun können

Orientierung anbieten, ohne Beschäftigte zu etikettieren

01

Wissen zugänglich machen

Eine sachliche Information hilft, ADHS-relevante Schwierigkeiten zu erkennen und von persönlichen Zuschreibungen zu lösen.

02

Vertraulichkeit schützen

Persönliche Antworten und Einzelergebnisse gehören nicht zum Unternehmen. Berichte dürfen ausschließlich ausreichend große Gruppen zusammenfassen.

03

Fachliche Abklärung ermöglichen

Eine Selbsteinschätzung kann Orientierung geben. Eine Diagnose gehört in die Hände entsprechend qualifizierter Fachpersonen.

Aktion für Gesundheitstage

Ein niedrigschwelliger erster Zugang

Die ADHS-Aktion verbindet eine verständlich begleitete Selbsteinschätzung mit einer ausschließlich zusammengefassten Auswertung für das Unternehmen.

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Wissenschaftliche Grundlagen

Quellen und Grenzen

  1. de Graaf et al. (2008): ADHS und Arbeitsleistung in der WHO World Mental Health Survey Initiative
  2. Kessler et al. (2009): Prävalenz und Arbeitsplatzkosten in einem großen Produktionsunternehmen
  3. Helgesson et al. (2023): Langzeitfehlzeiten und Arbeitsmarktteilhabe junger Erwachsener mit ADHS
  4. Lauder et al. (2022): Systematische Übersicht zu Unterstützung von Erwachsenen mit ADHS am Arbeitsplatz
  5. NICE-Leitlinie NG87: Diagnostik und Behandlung von ADHS

Die Forschung zu konkreten betrieblichen Maßnahmen ist bislang begrenzt. Die dargestellten Studien beschreiben Gruppenunterschiede und erlauben keine Aussage über einzelne Beschäftigte oder die Ursache konkreter Fehlzeiten.